Caminho Português da Costa – Resümee
Am Ende möchte ich hier ein Resümee ziehen. Hat es mir etwas gebracht? War es gut? Hat es sich gelohnt? Gerade Letzteres ist schwierig zu beurteilen. Wir sind hier nicht in der Wirtschaft, wo ich einfach eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen kann. Pilgern geht viel tiefer und ist vielschichtiger. Auch gibt es einige Punkte, die sehr persönlich sind und die ich bewusst hier ausspare.
Fangen wir einmal damit an, ob es sich für mich persönlich gelohnt hat. Die Antwort ist hier eindeutig: ja. Neben einer sehr positiven Erfahrung hat es mich auch, so denke ich zumindest, erneut menschlich und persönlich weitergebracht. Außerdem konnte ich wieder diverse Punkte, die sich bei mir im Leben aufgestaut hatten, lösen, indem ich einfach einmal die Zeit hatte, mich in Ruhe damit zu befassen.
Mein Glaube ist und war hier nie ein Problem, aber auch was das angeht, so war es eine tolle Zeit mit ein paar schönen Momenten, die nur mir gehören.
In Portugal sind wir ausschließlich den offiziellen „da Costa“-Weg gelaufen. Dieser führt aber nicht ständig an der Küste entlang, sondern auch etwas ins Landesinnere. Das ist auch gut so, denn wir beide fanden die Küste nach zwei Tagen schon sehr eintönig. Was man ebenfalls sagen muss und was man auf den Fotos nicht sieht, ist die touristische Bebauung. Was man außerdem nicht übersehen darf – das betrifft aber alle Caminos –, ist, dass man weite Strecken einfach über befestigte Wege läuft. Am Português kommen hier auch noch viele gepflasterte Wegstrecken dazu. Natürlich hat man vor allem in den ersten Tagen auch die bekannten Holzstege.
Wir sind Ende April bis Anfang Mai gelaufen. Vor allem in Portugal hatten wir sehr sonniges und warmes Wetter. Das hat schon dazu geführt, dass sich die Straßen bzw. Pflasterwege sehr aufheizten. Diese sind dann häufig auch noch links und rechts von Mauern eingefasst. Die Echsen, die dort hin und her huschen, freut es, als Pilger*in wird man da aber schnell gebraten. Im Hochsommer kann das schnell sehr ungemütlich werden, vor allem wenn man nicht genügend zu trinken dabeihat.
Etwas gewundert haben wir uns manchmal über die Wegführung. Manchmal hatte man wirklich den Eindruck, Stadtzentren würden bewusst vermieden. Doch genau dort befinden sich Cafés, Restaurants und Supermärkte. Auch führt der Weg dann teilweise durch Ortsteile, die weder schön sind noch etwas zu sehen bieten, während parallel dazu eine Straße mit Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten sowie Kirchen existiert.
Kirchen waren so ein Thema. Mir persönlich sind diese ja wichtig. In Portugal waren diese an der Küste meistens verschlossen. Kam man von der Küste weg, so waren immer mehr Kirchen und auch kleinere geöffnet. In Spanien waren die meisten Kirchen verschlossen.
Eigentlich werden zwei Stempel pro Tag benötigt. In der Regel bekommt man einen in der Unterkunft bzw. Herberge. Also benötigt man noch einen weiteren. Grundsätzlich ist das kein Problem, da man bei jedem Café, Restaurant oder jeder Bar einen Stempel bekommen kann. Wir haben schon immer etwas abschätzig gesagt, dass man an jeder Pommesbude stempeln kann. Wir haben aber nur Stempel in unseren Unterkünften sowie in Kirchen gesammelt, und dann wird das schon schwieriger. In Portugal hatten viele Kirchen, die geöffnet waren, auch einen Stempel. In Spanien war das schwieriger. Wie erwähnt, waren die meisten verschlossen, und wenn nicht, dann gab es keinen öffentlichen Stempel. Den gibt es dann in der Sakristei oder in Klöstern an der Pforte oder im Klosterladen. Wenn diese dann auch nicht besetzt waren, hatte man Pech gehabt. So hatten wir durchaus Tage, an denen wir neben dem Unterkunftsstempel keinen weiteren Stempel erhalten hatten.
Das Thema Stempeln ist so ein grundsätzliches am Jakobsweg. Es ist notwendig, um teilweise Herbergen nutzen zu können und am Ende die Compostela zu erhalten. Inzwischen sind ja zwei Stempel pro Tag auf den letzten 100 km notwendig. Es ist auch kein Problem, diese Stempel zu erhalten, jedoch hat das in meinen Augen nichts mehr mit Pilgern zu tun. Aber das ist meine persönliche Auffassung. Wir haben auch Pilger*innen gesehen, die am dritten Tag die Vorderseite des ersten Pilgerpasses fast vollgestempelt hatten. Ja, der Mensch ist ein Jäger und Sammler, aber ob das der Sinn ist oder sein soll, weiß ich nicht. Auch wurden Kirchen besucht, um zu stempeln, und man nahm sich nicht einmal die Zeit, den Hut abzunehmen, und schon war man wieder weg. Man möge mich hier eigen nennen, aber der Stempel zeigt ja auch an, dass ich an einem Ort gewesen bin. Wenn ich das aber so praktiziere, bin ich dort nicht wirklich gewesen.
Genug gemeckert. Die Herzlichkeit der Menschen, sowohl der Portugies*innen als auch der Spanier*innen, kann man immer wieder positiv hervorheben. Auch die Hilfsbereitschaft, weil sie einen Pilger gar nicht vom Weg abkommen lassen wollen, obwohl man manchmal ja bewusst den Weg verlässt. Auch so manchen gut gemeinten, aber nicht befolgten Tipp haben wir von Einheimischen erhalten. Wenn die Spanier*innen nur langsamer reden würden. ;-)
Sprachlich war es auf diesem Weg überhaupt kein Problem. Pilger*innen kommen eigentlich immer ans Ziel, da die Bedürfnisse ja im schlimmsten Fall mit Händen und Füßen kommuniziert werden können und jede Person weiß, was man so braucht. Aber in Portugal war Englisch kein Thema, und auch in Spanien konnten wir auf unserem Weg eigentlich überall kommunizieren. Wo das nicht ging, da reichte unser Spanisch aus.
Wir haben die Variante über Vigo genommen. Bis auf das Stück bei Vigo selbst – und da sind wir ja auf eine Nebenroute gewechselt – war das eine schöne Variante. Der Vorteil liegt hier auch darin, dass weniger Pilger*innen unterwegs sind, als wenn man über Tui läuft, wo man ja wesentlich früher mit dem Central zusammenkommt. Der Nachteil daran ist: Dieser Weg ist in Santiago nicht erfasst. Wer also eine Kilometerbescheinigung haben möchte, bekommt diese für diesen Weg nicht, da man den „da Costa“ nur über Tui angeben kann. Bescheinigt werden hier also immer nur 280 km. Da uns das ohnehin egal war und wir die Bescheinigung sowieso nicht wollten, spielte das für uns keine Rolle.
Die zweite Variante, die wir genommen haben, war die Variante „Espiritual“. Auch diese verlängert den Weg und wird in Santiago nicht berücksichtigt. Aber auch diese lohnt sich und führt einen zum einen durch eine wunderschöne Landschaft und zum anderen fand ich es spirituell interessant, den Schiffsweg zu nehmen.
Der Caminho Português wird oft als Einsteiger- und Anfänger-Camino bezeichnet. Ich habe mit diesen Begriffen so meine Probleme, vor allem, da ich diesen Weg jetzt ja selbst gegangen bin und auch so manche Anfänger*innen dort gesehen habe. Trennen wir aber erst einmal die Begriffe. Anfänger*in ist für mich jemand, der noch keine große Erfahrung mit Wandern und Pilgern hat. Als Beginner*in sehe ich jemanden, der hier Erfahrung hat, aber noch auf keinem Camino war. Für Anfänger*innen sehe ich auch diesen Weg nicht als geeignet an. Es ist ein Fernwanderweg, der auch auf dem direkten Weg 280 km hat. Wenn man dann auch noch die Ambition hat, das in 12 Tagen zu laufen, was wirklich einige versuchten, dann wird das schnell gesundheitsschädlich. Für jemanden, der Erfahrung mit Wanderungen hat und einen Camino gehen möchte, ist das durchaus eine gute Option. Von den Höhenmetern her geht er, die Infrastruktur ist gut, sprachlich gibt es keine zu großen Hindernisse, und von der Länge her ist er auch akzeptabel.
Der Caminho Português ist einer der Wege mit den meisten Zuwächsen an Pilger*innen, laut Statistik des Pilgerbüros in Santiago1. Nun waren wir relativ früh unterwegs und noch vor dem Saisonstart. Trotzdem waren schon einige Pilger*innen unterwegs. Am verlängerten Wochenende, das zufällig genau auf die letzten, magischen 100 km fielen, war es dann besonders extrem. Also: Man ist hier definitiv nicht allein unterwegs, und das sollte einem bewusst sein. Gegenüber dem Francés waren hier aber sehr viele deutsche Pilger*innen. Das spiegelt auch die Statistik des Pilgerbüros wider.
Und zum Abschluss noch ein Punkt, der speziell unsere Reise betrifft und nach dem ich immer wieder gefragt wurde: Warum sind wir am gleichen Tag noch von Santiago nach Porto gefahren und dann am nächsten Tag zurückgeflogen? Zum Zeitpunkt unserer Reise war der Flughafen in Santiago aufgrund von Erneuerungsarbeiten an der Landebahn gesperrt. Weiterhin verteuerten sich aufgrund des Iran-Krieges die Flüge permanent. Da wir nicht wussten, wie lange wir unterwegs sein würden und wie sich unsere Planung ergibt, konnten wir keinen Flug im Vorfeld buchen. Als unsere Ankunft näher rückte, suchten wir einen bezahlbaren Flug von Porto aus und fanden einen am Folgetag unserer Ankunft in Santiago sowie auch noch freie und günstige Plätze für den Bus nach Porto am gleichen Abend. Aufgrund der hohen Nachfrage waren nämlich auch die Buspreise teilweise extrem teuer bzw. manche Linien bereits ausgebucht.
Würde ich es wieder tun? Der Weg war toll, und ich bin froh, ihn gelaufen zu sein. Unsere Planung, Einteilung und Streckenführung waren richtig. Das würde ich wieder genau so tun. Aktuell bin ich jetzt in der Phase, dass es gut ist, wie es ist. Mal schauen, was die Zukunft so bringt.