Caminho Português da Costa – Tag 17 (07. Mai 2026): O Faramello - Santiago de Compostela
Die letzte Etappe! Wir starteten früh, schon vor sieben Uhr, und die Sonne war noch nicht einmal aufgegangen. Wir waren aber nicht die ersten und einzigen Pilger*innen, die um diese Zeit schon auf den Beinen und unterwegs waren. Andere waren scheinbar sogar noch früher aufgestanden, da sie auf dem Weg bereits unterwegs waren. Bis Santiago sind es noch ca. 16 km, und wir wollten rechtzeitig vor der Pilgermesse an der Kathedrale sein.
Es ging also an der Herberge los, und wir liefen die Straße entlang. Nach ca. 350 m geht der Weg rechts weg und leicht bergauf. Man kommt dann an der Capela de San Martiño vorbei, die um diese Zeit sowieso noch nicht geöffnet hatte, und hier macht der Weg eine Spitzkehre.
Kurz darauf geht es aus der Ortschaft hinaus und in ein Wäldchen. Der Weg wird hier noch einmal richtig schön: leicht geschotterter Weg durch die Bäume hindurch. Aber das ist nur ein kurzes Stück, und dann kommt man wieder durch Ortschaften. An sich aber nichts Besonderes.
Nach ca. einer Stunde kommt man wieder hinaus und hat noch einmal kurz Natur, bevor man nach O Milladoiro kommt. Hier muss man etwas aufpassen, da man hier entlang einer viel befahrenen Straße läuft und der Gehweg stellenweise nicht wirklich vorhanden oder aber sehr schmal ist.
Danach muss man unter der Autobahn und Fernstraße hindurch. Es geht also steil bergab, etwas hin und her und dann auf der anderen Seite, nachdem man unter den Brücken hindurch ist, wieder hoch. Ein Stück, das man mögen muss, aber es gehört eben auch dazu.
Jetzt sind wir praktisch schon direkt vor Santiago, und man läuft den Berg hoch durch urbanes Gebiet. Oben angekommen, hat man bei schönem Wetter einen Blick Richtung Kathedrale. Wir konnten die Türme aufgrund des Nebels nur erahnen.
Unten angekommen hat man die Wahl: Man kann über Santa Marta laufen oder über Conxo. Der Weg über Conxo ist der schönere, da er über Parkanlagen führt, allerdings ist dieser ca. 500 m länger. Unser Ziel war eigentlich der Bahnhof, da wir dort unsere Rucksäcke deponieren wollten. Das ist routentechnisch über Conxo günstiger. Geht man hier über Santa Marta, muss man einen Umweg laufen.
Also sind wir rechtsherum gegangen und hier nach einem Stück Stadt in einem schönen Park gelandet. Der Weg führt dann an der Igrexa da Nosa Señora da Mercé de Conxo vorbei. Die Kirche war geöffnet, und es gab sogar einen Stempel. Da zu dieser Zeit ein Gottesdienst stattfand, haben wir uns die Kirche nicht weiter angeschaut. Der Weg würde jetzt weiter entlang des Río Sar führen. Wir sind jetzt aber, nachdem uns auch eine Spanierin angesprochen hatte, vom Jakobsweg abgebogen und dann auf direktem Weg zum Bahnhof gelaufen.
Den Plan, die Rucksäcke dort zu deponieren, haben wir dann nicht umgesetzt. Unsere großen Rucksäcke hätten eventuell gerade so in die Schließfächer gepasst, aber wir konnten es nicht testen, da man erst Marken hätte kaufen müssen und dann die Schließfächer hätte öffnen können. Also sind wir mit den Rucksäcken weiter zur Kathedrale. Manfred hat angeboten, auf diese aufzupassen, während ich die Messe besuchen kann, was mir persönlich wichtig war, und so sind wir mit Gepäck zur Kathedrale gelaufen. Als Hinweis: Die Kathedrale darf nicht mit Rucksäcken oder großem Gepäck besucht werden. Es gibt die Möglichkeit, Rucksäcke z. B. bei der Post, den Correos, gegen Entgelt aufzubewahren.
Nun waren wir also da: Santiago de Compostela, Catedral Basílica Metropolitana de Santiago de Compostela, der Legende nach die Grablege des Apostels Jakobus! Es war 10:45 Uhr, und es hat somit alles geklappt! Der Platz vor der Kathedrale, die Praza do Obradoiro, war auch relativ leer.
Nach einer kurzen Pause und der Besorgung von Getränken habe ich meinen Rucksack zurückgelassen und bin los. Zugang zur Kathedrale bekam man durch einen Seiteneingang, den Portóns de la fachada, also die Türen an der romanischen Fassade das Praterías, und nach einer Personenkontrolle.
Ich bin dann kurz durch die Kathedrale gegangen. Es war ein sehr emotionaler Moment, und ich habe mir sehr schnell einen Platz gesucht, da ich das, die Ruhe und die Zeit bis zum Gottesdienst für mich einfach brauchte. Das Mittelschiff war fast vollständig reserviert, und so fand ich – ich war ja doch fast 45 Minuten vor Beginn in der Kirche – in der ersten Reihe im Seitenschiff einen guten Platz, von dem aus ich auch das Geschehen auf dem Altar noch sehen konnte.
Um 12 Uhr begann die Messe. Kurz davor kam bereits eine Ordensschwester, die die Lieder mit den Anwesenden einübte. Eine kuriose Situation, die zu beschreiben es gar nicht annähernd wiedergibt: die Schwester, klein von Statur, mit einem sehr großen Liederbuch und einer sehr kräftigen und melodischen Stimme. Die Messe fand auf Spanisch statt. Die Predigt war sehr kurz und wurde dann auch noch auf Englisch wiederholt. Ein Höhepunkt war sicherlich das Botafumeiro, das am Ende entzündet und geschwenkt wurde. Dieses 1,60 m große Weihrauchfass, das von acht Männern geschwungen wird, ist schon etwas Besonderes zu erleben. Dabei war auch mein Platz im Seitenschiff wieder von Vorteil, da es sich hier ja über mich hinwegbewegte.
Nach dem Gottesdienst besuchte ich noch die Krypta und den silbernen Reliquienschrein mit den Gebeinen des Jakobus. Auch ein goldenes Kreuz mit einem angeblichen Splitter aus dem Wahren Kreuz befindet sich dort. Kommt man aus der Krypta heraus, wird man auf dem Weg weitergeführt hinter dem Hochaltar hinauf zur lebensgroßen, sitzenden Figur des Jakobus. Diesen kann man umarmen und das Dankgebet sprechen: „¡Gracias amigo Santiago, hermano Santiago, por ayudarme a llegar hasta aquí! ¡Gracias por tu persona, por tu compañía, por tu testimonio, por tu legado!“ (spanisch, deutsch: „Danke, lieber Freund und Bruder Jakobus, dass du mir geholfen hast, hier anzukommen. Danke für deine Person, für deine Begleitung, für dein Zeugnis, für dein Vermächtnis.“). Ich habe mir dann noch weitere Elemente der Kathedrale angeschaut und auch noch ein paar für mich wichtige Dinge erledigt, bevor ich sie verlassen habe.
Anschließend ging es zum Pilgerbüro. Wir hatten uns hier bereits am Vortag angemeldet. Neuere Pilgerpässe haben einen QR-Code, mit dem man seine persönlichen Daten an das Pilgerbüro melden kann, und man erhält dann wiederum einen QR-Code, mit dem die Mitarbeiter*innen im Pilgerbüro auf diese Daten zugreifen können. Wir hatten mit einer längeren Wartezeit gerechnet, aber es waren relativ wenige Pilger*innen dort, und alle acht Schalter waren offen. Man erhält am Eingang eine Nummer, muss warten, bis diese aufgerufen wird, und geht dann zu dem angezeigten Schalter. Dort erhält man nach Prüfung des Pilgerausweises seine Compostela. Der Vorname wird übrigens lateinisiert eingetragen, der Nachname nicht. Warum? Ich weiß es nicht, denn zumindest bei mir wäre das sehr einfach möglich.
Wir sind dann noch einmal kurz zur Kathedrale gegangen, haben uns im Altstadtkern umgeschaut und sind dann langsam Richtung Busbahnhof gelaufen. Auf dem Weg haben wir noch ein verspätetes Mittagessen eingenommen. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts gegessen. Gleich daneben war noch ein Supermarkt, und so konnten wir hier auch gleich für den Abend einkaufen.
Um 16:30 Uhr ging schon unser Bus nach Porto, wo wir noch eine Nacht in einem Hotel übernachteten, und am nächsten Morgen ging bereits unser Flieger zurück nach Düsseldorf.